Biber in Kufstein: Zwischen Naturschutz und wachsenden Herausforderungen

Die Rückkehr des Bibers nach Tirol führt in Kufstein zu Diskussionen über Schutzstatus, Schäden und praktikable Lösungen. Ein Gipfel suchte nach Wegen für ein Miteinander.

Der Biber, einst in Tirol fast ausgerottet, hat sich in den letzten Jahrzehnten erfolgreich wieder angesiedelt. Besonders in den Innauen bei Kufstein und entlang der Großache entstanden neue Reviere, ausgehend von eingewanderten Tieren aus Bayern um 1990. Die Population ist seither stetig gewachsen und zählt im Jahr 2026 bereits rund 264 Reviere mit etwa 871 Tieren, verglichen mit 130 Revieren und 425 Tieren im Jahr 2016.

Diese positive Entwicklung im Naturschutz bringt jedoch zunehmend Herausforderungen mit sich, insbesondere im Bezirk Kufstein. Der Biber steht in Tirol unter strengem Schutz, basierend auf europäischem Recht (FFH-Richtlinie) sowie dem Tiroler Naturschutzgesetz und der Verordnung.

Kufstein im Fokus: Der Biber-Gipfel

Die wachsende Biberpopulation und die damit verbundenen Konflikte führten kürzlich zu einem „Biber-Gipfel“ in Kufstein. Ziel war es, Fallbeispiele zu diskutieren und mögliche Lösungen für ein funktionierendes Zusammenleben von Mensch und Biber zu erörtern. Vertreter aus Umweltschutz, Land- und Forstwirtschaft sowie betroffene Bürger kamen zusammen, um die Situation zu bewerten.

Besonders am Hechtsee in Kufstein sind die Auswirkungen spürbar. Eine dort ansässige Biberfamilie verursacht Schäden an Bäumen, die aus Sicherheitsgründen entlang der stark frequentierten Wanderwege und bei Sitzgelegenheiten entfernt werden müssen. Dies betrifft auch die natürliche Beschattung der Badeanstalt, was als schmerzlicher Verlust empfunden wird. Im Winter, wenn Biber verstärkt Baumrinde als Nahrung nutzen, verschärft sich die Problematik.

Schäden und steigender Handlungsbedarf

Nicht nur am Hechtsee, sondern auch in anderen Gemeinden des Bezirks Kufstein treten Probleme auf. Berichte aus Niederndorf und Breitenbach zeigen Schäden an Schutzwäldern, die deren elementare Funktionen beeinträchtigen. In Breitenbach musste nach Starkregen ein Biberdamm entfernt werden, der zuvor mittels Drainage gesichert werden sollte, um Überschwemmungen zu verhindern. Auch umfallende Bäume an Badeseen sorgen für Unmut in der Bevölkerung.

Für die Landwirtschaft stellen Biber ebenfalls eine Belastung dar. Durch Einbrüche in Biberbauten können Landmaschinen beschädigt werden, was eine neue Dimension des Problems darstellt. Der Leidensdruck bei Grundeigentümern und Gemeinden steigt, und es werden praktikable Lösungen gefordert. In anderen Bundesländern gibt es bereits striktere Vergrämungsmaßnahmen oder in Einzelfällen die Möglichkeit des Abschusses von Tieren. Ein Blick nach Kärnten zeigt zudem, dass bei stark gestiegenen Populationen Entnahmekontingente erhöht wurden.

Lösungsansätze und Forderungen

Die Diskussionen in Kufstein zeigten den Bedarf an rechtlicher Klarheit und konkreten Maßnahmen. Während gehölzfreie Ufer als problematisch gelten und alternative Nahrungsquellen mittel- bis langfristig helfen könnten, werden für Kufstein kurzfristige Lösungen benötigt. Prävention und ein verträgliches Miteinander stehen im Vordergrund, wobei der Gesetzgeber gefordert ist, die Sicherheit der Bürger und der Landwirtschaft zu gewährleisten.

Die Frage der Entschädigung bei Biberschäden ist in Tirol noch nicht abschließend geklärt, was die Situation für Betroffene zusätzlich erschwert. Es bleibt abzuwarten, welche konkreten Vorschläge und Maßnahmen aus den Diskussionen hervorgehen, um den Schutz des Bibers mit den Interessen der lokalen Bevölkerung in Einklang zu bringen.

Quellen:
1. https://www.oe24.at/oesterreich/chronik/tirol/biber-gipfel-in-kufstein-wird-einberufen/673077698
2. https://zeitungderarbeit.at/feuilleton/wissenschaft/zwischen-naturschutz-und-nutzungskonflikt-der-biber-ist-zurueck-in-tirol/
3. https://bauernzeitung.at/artikel/tirol/erster-bibergipfel-in-kufstein-entnahme-und-entschadigung
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